DMZ Botschaft | 2009

lzusammen mit Farida Heuck





















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l Text | DMZ Botschaft: Grenzraum aktiver Zwischenraum
von Jae-Hyun Yoo und Farida Heuck in Kulturrisse 0110, Wien 2010
























DMZ Botschaft, 2009, Rauminstallation | Material: Holz, Lack, Styropor, Fotos, Videos; Größe: 3,8 x 1,8 m


Die DMZ - die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea – stellt eine der letzten, unüberwindlichen weltpolitischen Landmarken dar, die zwei unterschiedliche Staatssysteme voneinander trennt. Farida Heuck und Jae-Hyun Yoo haben auf ihrer Recherchereise nach Südkorea im Frühling 2009 die Situation an und mit dieser Grenze zu Nordkorea aufgespürt und durch eine raumgreifende Skulptur, in der sich offensichtlich etwas verbirgt, visualisiert.

"DMZ Botschaft" gewährt einen detaillierten Einblick in die sozialen, politischen und ökonomischen Bewegungen dieses Grenzraums und untersucht die durch die Teilung des Landes hervorgerufenen Auswirkungen auf das alltägliche Leben. Dabei liegt der Fokus des Projekts darin, die Transformationsprozesse dieses Raums und dessen Grenzökonomien sichtbar zu machen. Die KünstlerInnen konzentrieren sich bewusst auf die südkoreanische Grenzseite, da sie sich für den Blick auf den vermeintlichen weißen Fleck Nordkorea interessieren.





















DMZ Botschaft, 2009, Rauminstallation | Blick durch ein Okkularpaar in die verborgene Zone im Inneren


In dem Objekt ist eine Landschaft verborgen, die mit Fotos, Videos und Tonfragmenten die tägliche Situation dieser Grenzregion beschreibt. Sichtbar wird die innere Zone durch mehrere Okularpaare, die auf die touristischen Reisetouren in und an der DMZ verweisen. Denn auch mit den an der Grenze zahlreich errichteten Fernrohren, bleibt der Blick auf die "andere Seite" ein weißer Fleck fern jeglicher Realität.
Dies wird mit einfachen Mitteln visualisiert: Sobald mehrere Personen gleichzeitig durch die Gucklöcher hineinsehen, werden die Augen der Anderen sichtbar, die jedoch wegen der Schwingungen des von der Decke herabhängenden mächtigen Kastens nur verschwommen zu erkennen sind.

Durch Interviews mit AkteurInnen vor Ort, die tagtäglich mit der Grenze konfrontiert sind, werden unterschiedliche Lebensrealitäten dargestellt und hierdurch eine Vielstimmigkeit wieder gegeben. Über diese verschiedenen Blickwinkel wird das Funktionieren von Grenzen im Allgemeinen deutlich. Gleichzeitig wird die Besonderheit im alltäglichen Umgang mit der letzten Grenze des "Kalten Krieges" erfahrbar.


Zur Installation erscheint ein Handbuch der KünstlerIn:
DMZ Botschaft. Grenzraum aktiver Zwischenraum / Verlag bbooks, Berlin 2009

lBeitrag in: New Mobilities Regimes
Sven Kesselring, Gerlinde Vogl and Susanne Witzgall (Hg.)

Veröffentlichung im Herbst 2010
Insel | 2007/2008

Berlin als eine Insel - Korea getrennt durch einen Fluss: die geteilte Geschichte der Stadt und der Halbinsel dargestellt als geographische Überlagerung.
Das Stadtbild Berlins zeichnet heute aber nicht nur die vergangene politische Grenze aus. Die politische Grenze hat sich zur sozialen Grenze verschoben. Die gesellschaftlichen und kulturellen Abgrenzungen zwischen sogenannten Einheimischen und MigrantInnen, Wohlhabenden und Hartz IV-EmpfängerInnen durchziehen das heutige Stadtbild Berlins.
Konstellationen sozialer Polarisierung und räumlicher Fragmentierung nehmen stetig zu. Das soziale Gefälle lässt sich an Stadtbezirken festmachen: In Zehlendorf ist das durchschnittliche Einkommen entschieden höher als in Neukölln, und im Prenzlauer Berg haben sich vorwiegend Akademikerpaare mit Kindern angesiedelt. Dieser ehemalige Ostdeutsche Stadtbezirk ist zu einem "weißen Ghetto" schwerpunktmäßig aus Zugezogenen aus Westdeutschland geworden.

Jae-Hyun Yoo visualisiert diese Entwicklungen in einem topographischen Modell, das an die Modelle erinnert, die den aktuellen politischen Grenzverlauf zwischen Nord- und Südkorea beschreiben.














Insel, 2007/2008, Installation | Material: Holz, Styropol, Stoff, Farbe, Leuchtjoden; Größe: 240 x 220 cm x 80 cm (h)

Exit | 2006

























Jae-Hyun Yoo zeigt mit wenigen Mitteln wie es sich anfühlt eine Grenze zu beobachten. Er kennt diese Situation genau, da er als Militärdienstleistender selbst eine der härtesten Grenzen der Welt zu beobachten hatte. Bei der es immer wieder darum geht, dass beide Staatsseiten nicht nur die Darstellung der Realität, sondern auch die Realität selbst für sich ideologisch nutzen.
Damit wird einerseits das was als Realität bezeichnet wird, wie Michel Foucault dies schon be-schrieben hat, ein Produkt das nach bestimmten Konventionen hergestellt wird und vor allem den eigenen Willen zur Macht abbildet. Andererseits ähnelt sich der beobachtende Blick durchs Fernrohr einer Situation im Kino und das Gesehene wird zum Film fern jeglicher Realität.

Jae-Hyun Yoo verdeutlicht in seiner Installation Exit genau diese Phänomene, die ebenfalls an anderen Grenzen wie beispielsweise an der Schengengrenze zu finden sind.























Exit, 2006, Video- und Audioinstallation
Material: Videoscreen 3x4 m und 2 Holzobjekte die an Fernrohre erinnern mit jeweils einem LCD-Screen, Sound



Der Blick in die Okkularpaare der beiden Fernrohr Attrappen bildet nicht wie erwartet das im Vordergrund zu sehende vergrößert ab, sondern präsentiert eine 'Found and Footage' Collage aus bekannten Spielfilmen über Grenze zusammen geschnitten mit den beobachtenden Augen des Künstlers selbst.
Dagegen zeigt das an die Wand raumgroß projizierte Video einen Filmausschnitt der an Medien-berichterstattung erinnert. Es handelt sich dabei um einen Einsatz des Bundesgrenzschutzes im Meer. Der Ton verstärkt das Bedrohungsszenarium. Die Kamera fokussiert ein steinartiges Gebilde in einer Meeresbrandung, das sich nur bei höchstaufmerksamer Beobachtung und Vorstellungs-kraft als ein lebloser Körper entlarven lässt.


Grenzgänger | 2005















Grenzgänger, 2005 | Rauminstallation mit 4 Objekten
Blick durch das eine Guckloch des Mauerfragments zeigt ein Video eines Seiltänzers auf dem der Balanceakt eines
Grenzgängers dargestellt ist.


Jae-Hyun Yoo’s Arbeit stellt eine Auseinandersetzung mit dem Thema der kulturellen Grenzen dar, dem er sich unter dem Gesichtspunkt des ‘Grenzgängers’ zuwendet. Mit Grenzgänger meint er die Grenzüberschreitung als positive Grundlage einer ‘open identity’, einer unbegrenzten Identität.

Während die Abgrenzungen für gewöhnlich die Eckpfeiler von Identitäten bilden, ist er der Auf-fassung, daß die Identität des Grenzgängers nach allen Seiten offen ist: das heißt unbegrenzt und unbedingt, ohne Einschränkungen, der Grenzen nicht achtend, die menschliche Konvention, Sitte, Kultur, Politik gezogen haben.























Grenzgänger, 2005 | Rauminstallation mit 4 Objekten
Material: Plastik, Autoschläuche, Holz, Eisenstangen, Video, Pflanzen, Ventilator


























Grenzgänger, 2005 | Rauminstallation mit 4 Objekten als Metaphern zu Grenzsituationen:
Wellenbewegung des Flusses, Raumkörper einer Mauer, Autoschläuche als Rettungsringe, fragile Leiter


Die Darstellung bewegt sich auf höchstem Abstraktionsniveau: die Ökonomie der Mittel wird eingesetzt, um die Objekte nahezu jeglicher Ähnlichkeit mit ihren Entsprechungen in der Realität zu entkleiden. Sie werden auf ein Minimum beschränkt: Wellenbewegung des Flusses, räumlicher Körper der Mauer, Autoreifen als Rettungsringe, die zum rettenden Ausweg werden, die Leben ermöglichen und Grenzen überwindbar machen als Symbol des Übergangs und konkrete Fluchtmöglichkeit zugleich. Leitern zu zerbrechlich, um einen Menschen zu tragen, die jedoch auch auf Leitern verweisen in denen Flüchtlinge über Mauern in Pekinger Botschaften gelangten.

Damit stellt er die Symbole, die anteilslos neben ihren Rollen stehen wie Brechtsche Schauspieler. Durch die Verfremdung wirken die Objekte fragil, wie hingeworfen, unfertig, als seien es nur Fragmente, als hätten sie nur Entwurfcharakter: so wird die Entsymbolisierung des Symbolischen vorangetrieben, es zeigt sich weniger aufgeladen, ein Verweis nur, ein Namensschild, unauf-dringlich wie die Skizze einer Idee.

























Grenzgänger, 2005 | Rauminstallation
In der einen Öffnung des Mauerfragments ist symbolhaft die ‘grüne Grenze’ dargestellt.


Das Spiel der Doppelbedeutungen findet seine Fortsetzung in den Leitern, die zugleich Symbole und konkrete Fluchtmöglichkeit sind und zugleich den schwierigen Übergang symbolisieren, was durch ihre Zerbrechlichkeit noch betont wird.

In dem einen Guckloch des Mauerfragments ist die grüne Grenze symbolisiert und in dem Anderen ist ein Seiltänzer zu beobachten auf dem der Balanceakt des Grenzgängers dargestellt ist.














Grenzgänger, 2005 | Rauminstallation
Bei dem Hineinblicken in das zweite Guckloch des Mauerfragments ist ein Seiltänzer zu beobachten auf dem der
Balanceakt eines Grenzgängers dargestellt ist.


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Grenzgänger von Martin Huber
lGlobal Alien
Link zur Website: www.globalalien.net

Seit 2005 diverse internationale Ausstellungen und Aktionen

Global Alien ist eine internationale KünstlerInnengruppe - die gemeinsam mit TheoretikerInnen - aus Deutschland, Korea, Dänemark, Taiwan, Irland und den Philippinen Mechanismen der Globalisierung untersucht und befragt.

Global Alien sind: Benji de Burca, Youngjoo Cho, Thorbjørn Christiansen, Lizza May David, Marte Kiessling, Namsee Kim, Kuo-Wei Lin, Jakob Schaible, Jae-Hyun Yoo














GA_3 | Global Alien: Congress of Culture, 2008 | Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
Video-Iglu, aufblasbare Plastikblase mit Videoprojektionen über unterschiedliche Grenzsituationen

















Global Alien legt den Fokus auf den 'globalen Fremden', der kulturelle und nationale Grenzen überschreitet und damit eine Begegnung ermöglicht. Das Fremde ist bestimmt durch die Grenzen, die das Bekannte vom Unbekannten trennt. Wo verlaufen diese Grenzen und von wem werden sie aufrechterhalten? Wie lassen sie sich öffnen und erweitern? Wie sieht die Konstruktion des Fremden in den unterschiedlichen Ländern aus?
Auf der einen Seite treiben die Mechanismen der Globalisierung die Aufhebung von Grenzen im wirtschaftlichen Sektor voran auf der anderen Seite werden sie wiederum verfestigt. Während in einem 'globalen' Maßstab die Welt zusammen wächst, findet auf einem 'menschlichen' Maßstab eine Zersplitterung statt.
Global Alien setzt dagegen mit einem Lebensgefühl: einer Verbindung von Menschen überall auf der Welt, die entwurzelt und auf der Suche nach neuen Bezugsrahmen sind.


















GA_3 | Global Alien: Congress of Culture, 2008 | Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
You are not here von Mushon Zer-Aviv (Gastkünstler), Vortrag und Installation

Ein Spaziergang durch New York mit einem Stadtplan von Baghdad in der man über eine Telefon-Hotline über die Situation in Baghdad erfährt.
l(www.youarenothere.org - Projekt in Kooperation mit: Thomas Duc, Laila El-Haddad, Kati London, Dan Phiffer)


















GA_3 | Global Alien: Congress of Culture, 2008 | Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
Changing T-Shirt Performance















GA_3 | Global Alien: Congress of Culture, 2008 | Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
Cultural Mixing Performance



















GA_2 | Global Alien: Freedom of Speech, 2007 | Sszamsiespace, Seoul/Südkorea
Global Alien - TV Studio

Der Ausstellungsraum wurde als TV-Studio genutzt und während der Ausstellungszeit wurde gemeinsam mit RTV - einem lokalen alternativen Bürger-Fernsehsender - Videos produziert und vom Ausstellungsort aus gesendet.

























GA_2 | Global Alien: Freedom of Speech, 2007 | Sszamsiespace, Seoul/Südkorea
Yellow Storm, Videoinstallation




















GA_1 | Global Alien: Die Norm des Menschen, 2006 | Meinblau, Berlin
Room with a Stranger und Global Alien-Archivraum in Kooperation mit berlinerpool


























GA_4 | Global Alien: Power of Spoken Worlds, 2009 | Arhus/Dänemark
Import Export, Aktion im öffentlichen Raum, Molleparker in Arhus und Ausstellung, Rum46

Ist Sprache Macht an sich oder wird sie von der Politik als Machtinstrument benutzt? Die Performance 'Import Export' ist interaktiv und fordert die Besucher auf dänische Wörter aufzu-schreiben und in dem Global Alien-Zelt abzugeben. Die Gruppe Global Alien interpretiert das Geschriebene und antwortet ohne jegliche Kenntnisse der dänischen Sprache.
Watching Series und Missing Series | 2002

Jae-Hyun Yoo beschäftigt sich in seinen Fotoarbeiten (2001-2002) mit der Identität des Raums und dessen "kultureller Zugehörigkeit".
Dabei steht der Wechsel zwischen den Welten, der Übergang von einer Kultur zur anderen im Mittelpunkt der Darstellung: Kultur ist eben neben dem, was uns verbindet, auch all das, was uns trennt, was dem Verständnis entgegensteht und was der Anstrengung bedarf, um die Distanz zu verringern.






































Watching Series, 2002 | Fotografien, s/w, Serie von 4, Format: 20x30 cm


watching ist eine Serie von Fotografien eines Wassertanks in Potsdam, der in der Form einer Moschee gebaut wurde. Jae-Hyun Yoo befragt hiermit das Spannungsfeld zwischen Exotismus und Anerkennung anderer Kulturen.

missing ist eine Fotoserie auf der Suche nach einem hybriden Ort, der durch die Nachbildung eines aus dem Kontext gerissenen kulturellen Symbols die Zuordnung des Ortes verschwinden lässt. Jae-Hyun Yoo spielt mit dieser Ungewissheit und beschäftigt sich mit der Frage wieso kulturelle Identitäten so selbstverständlich der äußeren Erscheinung zugeschrieben werden.






























Missing Series, 2002 | Fotografien, s/w, Serie von 5, Format: 80x60 cm


Art Academy | 2003


























Single Channel Video, Länge: 3 min, Format: 4:3