Kuratorisches Projekt


Shared.Divided.United
Deutschland-Korea: Migrationsbewegungen im Kalten Krieg

Ein Ausstellungsprojekt der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) Berlin
konzipiert von der Arbeitsgruppe: Sun-ju Choi, Keumwha Kim, Jee-Un Kim, You Jae Lee, Jae-Hyun Yoo

KünstlerInnen: Duck-Hyun CHO, Kane DO, Harun FAROCKI, Kerstin KARTSCHER, Georg KLEIN, Enna KRUSE-KIM, Chang-Won LEE, Helena Parada Kim, Florian WÜST, Chan-Kyong PARK, Sunmu, Suntag NOH, Jae-Hyun YOO/Farida HEUCK, kate hers, msk7

lAusstellungsbesprechung von Michael Hauffen in Kunstforum International, Band 200, 2009






Georg KLEIN
NANA

In Georg Klein Installation werden die BesucherInnen zwischen zwei gegenüberstehenden Parabol-Laut-sprechern hindurchgeführt, die an Radarantennen von Überwachungsanlagen erinnern, wie sie im Kalten Krieg genutzt wurden und geraten in einen Brennpunkt zwischen zwei Fronten. (kkh)


Deutschland und Korea sind in besonderer Weise durch ihre „Geteilte Geschichte“ miteinander verbunden. Als Frontstaaten des Kalten Krieges sind sie zugleich geprägt von der Geschichte der Teilung. Erst vor diesem Hintergrund können die Migrationsbewegungen verstanden werden, die in allen vier Himmelsrichtungen zwischen Deutschland und Korea stattfanden und durch komplexe wechselseitige Beziehungen und Grenz-überschreitungen gekennzeichnet waren.

Dabei war uns wichtig die Risse und Zwischenräume zwischen den scheinbar hermetisch abgeriegelten Systemen, die die Menschen sich schufen und hierdurch die politischen und gesellschaftlichen Umstände mit gestalteten, sichtbar zu machen.
Diese unterschiedlichen Facetten der deutsch-koreanischen Migrationsgeschichte wurden durch die histo-rischen Materialien freigelegt und durch die KünstlerInnen befragt.





Suntag NOH
Red House III. North Korea in South Korea #14

Ein Sicherheitsbeamter macht Aufnahmen der Doppelausstellung von NOH Suntag und dem aus dem Norden geflüchteten Künstler Sunmu, dessen Malereien auf deutlich kritische Weise den ästhetischen Kult um Kim Jong Il aufgreifen.
Dennoch haben Nachbarn die Polizei alarmiert, um einen möglichen Verstoß gegen das Nationale Sicherheitsgesetz festzustellen.
















Sunmu
Bitte nehmen Sie Ihre Medikamente


Sunmus Bilder beharren auf einer starken Ambivalenz zwischen dem dargestellten Bildinhalt und der implizierten Realität, die mit gezielter Absicht zu vielschichtigen Irritationen führt. Seine Darstellungen nordkoreanischer Alltagsszenen lassen einen ernüchterten, oft zynischen Blick auf das politische System Nordkoreas erinnern.





Farida HEUCK und Jae-Hyun YOO
DMZ Botschaft

Farida Heuck und Jae-Hyun Yoo haben auf ihrer Recherchereise nach Südkorea die Situation an und mit der Grenze zu Nordkorea aufgespürt und durch eine raumgreifende Skulptur, in der sich offen-sichtlich etwas verbirgt, visualisiert.
Dabei liegt der Fokus die Transformationsprozesse dieses Raums und dessen Grenzökonomien sichtbar zu machen.







Changwon LEE
People of the Trial

Changwon Lee erinnert in seiner Lichtinstallation an die "Ostberlin Affäre" von 1967 in der unter der damaligen südkoreanischen Militärdiktatur einige in Europa lebende koreanische StudentInnen und Mi-grantInnen nach Südkorea entführt und der Spionage für Nordkorea beschuldigt wurden. (kkh)




Duck-Hyun CHO
Memory of the 20th Century

Duck-Hyun Cho, der alte Gruppenfotos in foto-realistische Zeichnungen umsetzt, deren grafische Leichtigkeit er durch zusätzliche Inszenierung der Trägermaterialen bricht, gibt eine Hochzeit zwischen einem koreanischen Bergarbeiter und einer ko-reanischen Krankenschwester wieder, wobei die Leinwand eines Bildteiles sich als symbolischer Überschuss in Analogie zum abgebildeten Braut-schleier in den Raum fortsetzt. (Michael Hauffen)









Helena Parada KIM
Zwei Schwestern

Ausgangspunkt für Helena Parada Kim ist die Erfahrung ihrer Eltern, die als Gastarbeiter im deutschen Wirtschaftswunderland der 1960er Jahre ihre kulturelle Identität teils aufgaben teils hart-näckig beibehielten oder sich neu erfanden. (kkh)







msk7
Floating Ping Pong

Die interactive Aktion besteht aus einer zwei-geteilten Tischtennisplatte, die zur Hälfte auf je einem Floß im Wasser steht. Beide Flöße sind durch Seile miteinander verbunden. Die schmale Kluft zwischen den beiden Flößen wird zum Netz – zur flexiblen Grenze, die es zu überspielen gilt.



Das Thema der geteilten Geschichte zog sich durch die gesamte Ausstellung und war an drei Standorten angesiedelt: Die NGBK - Neue Gesellschaft für Bildende Kunst befindet sich in Kreuzberg, dem ehemaligen West-Berlin, mit direkt an der Mauer verlaufender Bezirksgrenze. Der zweite Ausstellungsort, die GfKFB liegt in Treptow am Flutgraben, im ehemaligen Ost-Berlin unmittelbar am früheren Mauerstreifen. Der noch vorhandene historische Grenzwachturm Schlesischer Busch gegenüber dem Atelierhaus am Flutgraben wird ebenfalls künstlerisch bespielt.









Ausstellungsübernahme
vom Kunstverein Hildesheim

Die gesamte Ausstellung wurde vom Kunstverein Hildesheim übernommen und in dem ehemaligen Textilhaus Weinzieher - einem leerstehenden Ge-bäude in der Innenstadt gezeigt.